Fachpolitischer Austausch zum Thema Kunstrasen

Kunstrasen zwischen Sportbedarf und Nachhaltigkeit – BAG Sportpolitik diskutiert Herausforderungen und Lösungsansätze

Wie können Kommunen moderne Sportstätten schaffen und gleichzeitig Klima- und Umweltschutz berücksichtigen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Online-Informationsveranstaltung der BAG Sportpolitik zum Thema Kunstrasen. Zahlreiche Teilnehmende aus Kommunalpolitik, Sport, Verwaltung und Umweltverbänden nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Erkenntnisse, Herausforderungen und mögliche Handlungsoptionen auszutauschen.

Zu Beginn machte Malte Siegert, Landesvorsitzender des NABU Hamburg, deutlich, warum das Thema aktuell so relevant ist. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Problematik von Mikroplastik: Er erläuterte, wie Mikroplastik entsteht, welchen Anteil Kunststoffrasensysteme daran haben und welche Auswirkungen dies auf Umwelt und Gewässer haben kann. Gleichzeitig warb er für eine faktenbasierte Betrachtung der Thematik und zeigte die aktuellen Herausforderungen im Umgang mit Mikroplastik in Deutschland auf.

Anschließend stellte Karsten Dufft vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) den aktuellen Sachstand aus Sicht des organisierten Sports vor. Unter dem Leitgedanken „Sport ermöglichen – Umwelt schützen“ skizzierte er eine zeitgemäße Sportstättenentwicklung, die neben Klimaschutz und Ressourcenschonung auch Aspekte wie Inklusion, Wohnortnähe und eine hohe Nutzungsqualität berücksichtigt. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Sportflächenlösung unter den jeweiligen lokalen Rahmenbedingungen die nachhaltigste ist. Dabei plädierte er dafür, das Vorsorgeprinzip, Lebenszyklusdenken und den Erhalt von Bewegungsräumen gemeinsam zu betrachten.

Die kommunalpolitische Perspektive brachten Michael Sander und Michael-Werner Bolz ein. Sie machten deutlich, dass die Entscheidung für oder gegen einen Kunstrasenplatz immer im konkreten kommunalen Kontext getroffen werden muss. Vorgestellt wurden Beispiele für multifunktionale Sportanlagen, die neben dem Vereinssport auch der Öffentlichkeit zugutekommen. Ebenso wurden Möglichkeiten aufgezeigt, Sportstätten stärker in kommunale Klimaanpassungsstrategien einzubinden – etwa durch Regenwasserspeicherung, Entsiegelungsmaßnahmen oder die Schaffung ökologischer Ausgleichsflächen.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Frage nach nachhaltigen Kunststoffrasensystemen nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantwortet werden kann. Vielmehr braucht es eine differenzierte Abwägung zwischen Umweltwirkungen, Nutzungsintensität, Wirtschaftlichkeit und sozialpolitischer Verantwortung. Gerade finanzschwächere Kommunen sind auf langlebige und gut nutzbare Sportstätten angewiesen. Gleichzeitig besteht Einigkeit darüber, dass technische Innovationen und neue Materialien dazu beitragen können, die Umweltbelastungen künftig weiter zu reduzieren.

Die Veranstaltung zeigte erneut, wie wichtig der Austausch zwischen Wissenschaft, Umweltverbänden, Sportorganisationen und kommunaler Praxis ist. Ziel bleibt es, Kommunen dabei zu unterstützen, fundierte und nachhaltige Entscheidungen für ihre Sportstättenentwicklung zu treffen.

Die Präsentationen der Referent*innen stehen den Mitgliedern der BAG Sportpolitik in der Wolke zur Verfügung.